Braucht es Websites in Zukunft noch?
ChatGPT, Claude, KI-Suche und Social Media verändern das Internet täglich. Heisst das auch das Ende der klassischen Website? Meine Kunden und ich stellen uns immer häufiger die Frage: Brauche ich überhaupt noch eine Website? Meine kurze Antwort: Ja, vielleicht sogar mehr als früher. Nur ihre Rolle verändert sich.
Der Weg zum Kunden wird länger und komplexer
Früher war der Weg einfach: Google → Website → Lead.
Heute sieht die Reise eher so aus: ChatGPT → Google AI → Social Media → Bewertungen → Website → Anfrage.
Immer häufiger bekommen Nutzer ihre Antwort direkt in der KI-Suche, ganz ohne Klick auf eine Website. Das McKinsey Institut hat das genauer untersucht: Rund die Hälfte der befragten Konsumenten in den USA sucht mittlerweile bewusst über KI-gestützte Tools, und bis 2028 sollen 750 Milliarden US-Dollar an Konsumausgaben über solche KI-Suchen laufen.
Was das für Websites bedeutet, ist allerdings umstritten und genau das macht die Sache spannend.
Zwei Sichtweisen, ein Widerspruch
In einem Blogbeitrag schreibt Google, das gesamte Klickvolumen von der Suche zu Websites sei über das letzte Jahr stabil geblieben, die Qualität der Klicks habe sogar leicht zugenommen. Mit anderen Worten: keine Panik, alles im grünen Bereich.
Unabhängige Studien zeichnen ein anderes Bild. Eine Untersuchung der Carnegie Mellon University und der Indian School of Business kommt zum Schluss, dass Googles KI-Zusammenfassungen (AI Overviews) Traffic von Publishern abziehen – ohne dass sich Nutzererfahrung oder Engagement auf den Websites verbessern. Eine zweite Studie, durchgeführt an der University of Washington, hat den Effekt anhand von Wikipedia gemessen: Wenn eine KI-Zusammenfassung erscheint, sinkt der tägliche Zugriff auf die entsprechenden Artikel um rund 15 Prozent.
Was heisst das für dich als Unternehmerin oder Unternehmer? Insgesamt mag das Suchvolumen steigen, gleichzeitig verlieren einzelne Websites tatsächlich Klicks an KI-Zusammenfassungen. Wer sich nur auf klassisches Google-Ranking verlässt, wird das spüren.
Die Website bleibt dein digitales Zuhause
Social Media gehört Meta, TikTok oder LinkedIn. Dein Google-Ranking gehört Google. Beides kann sich über Nacht ändern: Ein Algorithmus-Update, eine neue Plattform-Regel, und deine Reichweite ist weg.
Deine Website gehört dir.
Sie ist der einzige Ort im Netz, an dem du vollständig selbst bestimmst:
- welche Inhalte erscheinen
- wie deine Marke wirkt
- welche Dienstleistungen du zeigst
- wie Kundinnen und Kunden dich erreichen
Das macht sie zum Fundament jeder professionellen Online-Präsenz, KI-Zeitalter hin oder her.
Was KI nicht kann: Vertrauen aufbauen
KI fasst Informationen zusammen, schreibt Texte, vergleicht Angebote. Was sie nicht kann: eine echte Beziehung zwischen dir und deinen Kundinnen und Kunden schaffen.
Menschen wollen wissen: Wer steckt hinter dem Unternehmen? Welche Erfahrungen haben andere gemacht? Gibt es Referenzen? Kann ich dieser Firma vertrauen?
Diese Fragen beantwortet eine gute Website nach wie vor deutlich besser als jeder KI-Chat.
Die Aufgabe der Website verschiebt sich
Früher musste eine Website vor allem eines: möglichst viele Besucher über Google anziehen. Heute wird sie zunehmend zum Ort, an dem Interessenten ihre Entscheidung absichern.
Bevor jemand eine Offerte anfragt, schaut er trotzdem meist noch auf der Website vorbei, prüft Referenzen, Bewertungen, Preise, Bilder, Persönlichkeit und sucht nach einer Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen.
Die Website wird damit weniger zum Besuchermagneten und mehr zum Vertrauenszentrum eines Unternehmens.
Was das für uns konkret bedeutet
Eine moderne Website sollte heute nicht mehr nur gut aussehen. Sie sollte:
- schnell laden
- auf dem Smartphone einwandfrei funktionieren
- klare Antworten liefern
- Vertrauen schaffen
- regelmässig aktuell gehalten werden
- sowohl für Menschen als auch für KI-Systeme verständlich strukturiert sein
Gerade der letzte Punkt gewinnt an Gewicht: KI-Systeme greifen bevorzugt auf klar strukturierte, hochwertige Inhalte zurück, um ihre Antworten zu bilden. Wer solche Inhalte liefert, erhöht seine Chancen, auch in KI-generierten Antworten sichtbar zu sein.
Fazit
Nein, Websites verschwinden vermutlich nicht, aber sie verändern sich.
Wer seine Website nur als digitale Visitenkarte betrachtet, wird an Sichtbarkeit verlieren. Wer sie hingegen als zentrale Plattform für Vertrauen, Expertise und Kundenkommunikation nutzt, ist auch im KI-Zeitalter gut aufgestellt.
Denn eines bleibt gleich: Menschen kaufen von Menschen. Eine gute Website hilft dabei, genau dieses Vertrauen aufzubauen.
Quellen
McKinsey & Company: New front door to the internet: Winning in the age of AI search (Oktober 2025)
Google: AI in Search is driving more queries and higher quality clicks (August 2025)
Google: How AI Mode and AI Overviews help you explore the web (Mai 2026)
Agarwal, S. & Sen, A.: The Impact of Google AI Overviews on Publisher Traffic and User Experience: Evidence from a Field Experiment, SSRN (April 2026)
Khosravi, M. & Yoganarasimhan, H.: Impact of AI Search Summaries on Website Traffic: Evidence from Google AI Overviews and Wikipedia, University of Washington (Februar 2026)
Text zusammengestellt von Janine Iten mit Unterstützung von diversen KI-Tools.
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